News Ticker

Schumacher Mission – Der Bericht

…Platsch! Hier bist Du also, in der Welt der Elektro-Tourenwagen. Nun ja, in der letzten Zeit sind viele Neuentwicklungen auf dem Markt erschienen, so dass wir schon so manches Design bestaunen durften, was besonders die Philosophie der Antriebe betrifft. Eines kann ich hier verraten: Der Mission bringt uns ein weiteres Mal zum Staunen und Grübeln. Damit ich Euch aber nichts vom Schumacher-Feeling vorenthalte, beginne ich doch ganz am Anfang.

Betreten der Baustelle auf eigene Gefahr

Inzwischen hat auch Schumacher gemerkt, dass das Auge mitkauft. Dies wird der Grund sein, weshalb die Schachtel doch sehr viel ansprechender im Regal steht, als das ältere Modelle von Schumacher taten. Nicht dass sie jetzt tanzt und singt, sie sieht einfach besser aus.
Im Innern der Schachtel hat sich nicht viel verändert. Wieso auch, denn hier herrscht schon seit jeher Ordnung. Wie es bei Rennfahrzeugen so üblich ist, sind Elektronik, Motor, Karosserie und leider auch das Ritzel nicht im Bausatz enthalten. Entsprechend dem heutigen Standard ist die Bauanleitung gut verständlich und übersichtlich. Aus meiner Sicht also auch für Anfänger kein Problem. Nützlich sind diverse “Track Tipps” die zwar ein Profi schon lange kennt. Ich jedenfalls hatte noch hier und da ein Aha-Erlebnis. Dass zu Beginn jeder Seite in der Bauanleitung ein neuer Beutel geöffnet wird und am Ende der Seite kein Bauteil des eben geöffneten Beutels mehr übrig ist, zeugt von Perfektionismus, Schumacher-Feeling Teil 1. Die Kunststoffe machen einen sehr soliden Eindruck, zu solide. Die Montage jeder Schraube erfordert einen physischen und verbalen Kraftakt, den ich hier gar nicht weiter beschreiben will. Bis ich dann gemerkt habe, dass ein Tröpflein Öl Wunder wirkt, hatte ich schon längst Blasen an den Händen. Sind die Gewinde dann mal geschnitten, bleiben auch die Blasen weg. Nach ungefähr 8 Stunden (Dies ist ein Richtwert, abhängig von Wetter, Luftfeuchtigkeit und Fernsehprogramm) ist das Werk vollbracht. Da steht er stolz, seine Carbon-Teile präsentierend und ungeduldig auf das Roll-Out wartend.

Und die Technik?

An einem neuen Modell sollte man doch auch etwas neues entdecken. Und das tut man am Mission zweifelsohne, obwohl die Teile der Lenkung, die unteren Querlenker hinten und vorne wie auch die Achsschenkel hinten und vorne unverändert vom Axis2 übernommen wurden. Beibehalten wurden auch die Blade-Antriebswellen, welche die Reibungswiderstände an den Diff-Ausgängen verringern sollen. Neu sind zusätzliche Einstellmöglichkeiten hinzugekommen. So kann an der Vorderachse das Inboard Toe-Out zwischen 0°und 2° eingestellt werden. Dies geschieht durch umdrehen der Befestigungsteile der unteren Querlenker. Auf die gleiche Weise lässt sich an der Hinterachse die Inboard Toe-In zwischen 0° und 2° umstellen. Zusätzlich ist die Vorspur an der Hinterachse mit Gewindestangen stufenlos einstellbar. Wenn wir schon bei der Fahrwerksgeometrie sind, hat nun auch Schumacher einen variablen Radstand gebaut.

Verstellen der Inboard Toe-In durch Umdrehen
der Befestigungsblöcke der unteren Querlenker.

Die Dämpfer wurden ebenfalls vom Axis2 übernommen. Bei ihnen ist der Kolben verstellbar, aber leider nur von innen. Die Dämpfer enthalten keine Käppchen zum Volumenausgleich, sondern stecken Volumenänderungen mit einem Schwümmchen weg.
Die grosse Revolution ist bis hierhin ausgeblieben, doch ist noch nicht aller Tage Abend. Da ist nämlich noch der Antrieb. Kardanantrieb und Einriemenantrieb kennen wir mittlerweile alle. Was aber im Mission eingebaut ist, bringt einem schon zum Grübeln. Vom Pulley auf der Hauptzahnrad-Welle überträgt ein kurzer und breiter Riemen die ganze Antriebskraft auf die Hinterachse. Diese ist mit einem langen Riemen mit der Vorderachse verbunden. Die interne Übersetzung kann variiert werden. Dies macht man mittels unterschiedlicher Pulleys. Die Spannung des hinteren Riemens wird angepasst, indem die Blöcke der Hauptzahnrad-Welle um 180° gedreht werden. Dadurch, dass das Loch für die Kugellager nicht ganz zentriert gebohrt ist, wandert so die Welle nach vorne oder nach hinten, je nach dem. Ob gut oder nicht, die Optik ist sehr ansprechend. Die meisten dürften sich jetzt über eine schlechtere Bremswirkung Gedanken machen. Ich nehme es Euch nicht übel. Doch lest weiter, und Ihr werdet dazulernen.


Wer sieht hier nicht doppelt?

Der Mission kommt in zwei Versionen daher. Die S1-Version ist bestückt mit Chassis-Platte, Dämpferbrücken, Oberdeck und Ackuhalterung aus Composite-Material. Bei der Carbon-Version sind all diese Komponenten aus Kohlefaser gefertigt. Beide Modelle sind ausgestattet mit dicker Alu-Motorpatte, komplettem Kugellagersatz (inkl. Lenkung), Alu-Dämpfern, Stabi-Satz vorne und hinten und Carbide Ball Diffs.
Für die Elektronik ist im Mission zwar schon Platz reserviert, jedoch haben Empfänger und Regler nicht gerade einen Logenplatz, wo sie ihre Beine ausstrecken können.


Die Elektronik hat gerade Platz, mehr nicht.

Der Fahrtest

Da ich kein Mann der langen Set-Up-Spielchen bin, ging es am nächsten Wochenende voll ins kalte Wasser. Ein Lauf zum Coupe de Genève sollte die Feuertaufe sein. Es handelte sich um eine Indoor-Piste mit Teppichboden. Begonnen habe ich mit dem Baukasten Set-Up, beendet habe ich mit dem Baukasten Set-Up und dazwischen fuhr ich das Baukasten Set-Up. Weshalb nur? Nun es mag daran liegen, dass entweder der Teppich die Abstimmung überflüssig macht, oder dass mir dieses Set-Up recht gut liegt. Natürlich liessen sich mit der geeigneten Einstellung eventuell noch Bruchteile von Sekunden ergattern. Der Mission war genial zum Fahren (Schumacher-Feeling Teil 2), schnell und sogar präziser als der Axis 2 in den Kurven. Dies liegt wahrscheinlich an der höheren Steifigkeit des Chassis, obwohl ich vermute, dass die neue Geometire der oberen Querlenker auch noch ihr Scherflein dazu beiträgt. Und der Antrieb? Der Mission braucht sich in Sachen Beschleunigung nicht zu verstecken. Zu meinem Erstaunen ist sogar die Bremswirkung des Mission enorm. Passende Theorien dazu zu suchen habe ich längst aufgegeben. Ich nehme diesen Umstand einfach zufriedenstellend zur Kenntnis. Erwartungsgemäss öffnet der neue Antrieb keine neuen Dimensionen, sondern er ist einfach die Verwirklichung einer anderen Idee.


Irgendwie ein Blickfang, oder?

Gesamteindruck

Der Mission gleicht auf den ersten Blick einem Designer-Stück. Trotzdem

RC WORLD

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*